2. Sonntag nach Epiphanias: Predigt über die „Hochzeit zu Kana“

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder,

eigentlich ist jetzt keine Zeit zum Feiern. Weihnachten und Sylvester waren für mich festlich. Aber eher verhalten festlich. Sie blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Zuviel musste ich seit Dezember darüber nachdenken, was möglich ist und was nicht. Am Ende haben wir mit allen Kindern, den Schwiegereltern und der Schwägerin gefeiert und es war eine schöne und sehr intensive Zeit. Vielleicht sogar so, wie diese Zeit des Jahreswechsels sein sollte.

Bis zum nächsten Fest im Jahreskreis, bis Ostern Anfang April sind es noch drei lange Monate der Passionszeit. Es ist dieses Jahr eine Zeit ohne Fasching in Augsburg, eine Fastenzeit und Verzichtszeit, auch weil uns die Pandemie nicht so einfach verlässt. Letztes Jahr ist Ostern fast entfallen. Wie wird es dieses Jahr sein? Wird dieses Fest auf das wesentliche beschränkt sein? Was ist das Wesentliche?

Die Jubelkonfimationen werden noch ein Jahr warten müssen und die grüne Konfirmation wird ein Herbstfest. Wann werden wir wieder unbeschwert miteinander feiern?

Wir stecken fest in einer Welt ohne die Erwartung eines Wunders. Die Pandemie läuft eher bürokratisch Schritt für Schritt. Das gibt ja auch eine gewisse Sicherheit. Am Ende ist diese Krise überwunden, viele Menschen gerettet und die Welt ist doch ganz anders.

Wir essen das harte Brot einer Welt ohne Erwartung von etwas Großem. Wir kauen uns so durch und die Härten bleiben. Vor lauter Zahnschmerzen sehen wir die Wunder der Schöpfung Gottes fast nicht mehr. Dabei ist mal wieder richtig Winter und wir haben in den Familien viel Zeit füreinander.

Der Evangelist Johannes berichtet in Kapitel 2 in den Versen 1 bis 11 von einem Wunder Gottes mitten im Alltag:
Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt's dem Speisemeister! Und sie brachten's ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten's, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Amen

Es ist das erste Wunder Jesu im Johannesevangelium und noch teilen seine Mutter und die Brüder ihr Leben mit den Jüngern. So ist es auch die Mutter, die ihren unwilligen Erstgeborenen zu seinem ersten öffentlichen Auftritt verhilft. Dabei geht es um gar nicht viel. Der Wein droht einer Hochzeitsgesellschaft auszugehen. Vielleicht hatte der Speisemeister sich verschätzt, es wurde nicht genug Wein geliefert oder es waren mehr Gäste da als erwartet. Vielleicht hätte er in seiner Not mit Wasser den Wein gestreckt.

Jesus macht aus dem Wasser dann guten Wein. Ohne Jesu Eingreifen hätte das Fest mit einem unschönen Klang geendet und das Brautpaar oder seine Familie hätten noch jahrelang zu hören bekommen, wie geizig sie gewesen seien. Es wäre ein Fest mit Nachklang gewesen, aber die Existenz von Menschen hing nicht an diesem Wunder.

Und doch vermerkt Johannes, dass durch dieses Wunder Jesu Herrlichkeit offenbar wurde. Die Jünger hatten damit ein erstes Argument für ihren Glauben an Jesus. Im Laufe der Zeit sammelten sich die Wunder und Zeichen Jesu und der Evangelist zählt sie durch wie auf einer Chequeliste zum Abhaken.

Der Punkt ist für die Jünger und für Johannes an dieser Geschichte die Herrlichkeit Jesu. Jesus zeigt, dass er wie Gott der Herr ist. Der Schöpfer leuchtet durch einen Mann aus Nazareth in dieser Welt. Jesus hat die Macht des Schöpfers und macht damit aus einem Fest ein Fest ohne Ende. Im Fest zeigt sich Jesu Berufung und Gottes Einladung.

Während Johannes der Täufer zur Buße einlädt und zum Fasten lädt Jesus ein zum Fest Gottes. Als ihm das vorgehalten wird antwortet er im Matthäusevangelium Kapitel 11:
Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindern gleich, die auf dem Markt sitzen und rufen den andern zu: Wir haben euch aufgespielt und ihr habt nicht getanzt; wir haben Klagelieder gesungen und ihr habt nicht geweint. Denn Johannes ist gekommen, aß nicht und trank nicht, und sie sagen: Er ist von einem Dämon besessen.
Der Menschensohn ist gekommen, isst und trinkt, und sie sagen: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

Das Fest ist Jesu Mission, das Fest für die, die keinen Grund zum Feiern haben und die keiner einlädt. So sind es die von den Zäunen und Hecken, die am Ende das große Fest Gottes feiern und die hochmögenden haben sich in ihrem Selbstbewusstsein selbst ausgeladen. Jesus lädt sich ein bei Zachäus und Maria und Martha, Jesus lädt seine Jünger ein zum letzten Mahl und kaum ist er auferstanden isst er mit ihnen in Emmaus und am See.

Gleichzeitig nimmt Jesus dem Fasten die Herrlichkeit und den Heilscharakter. Öffentliches Fasten ist für ihn Selbstdarstellung und arme Menschen fasten sowieso immer und nicht willentlich. Jesus selbst fastet immer wieder, ja er beginnt seinen Weg in der Welt mit 40 Fastentagen, um sich für seine Aufgabe zu orientieren. Aber dann ist es Zeit, die Menschen zu Gottes Fest einzuladen. Zur Gemeinschaft mit ihm und der ganzen Schöpfung. Sie zu befreien von Streit und Kampf, von Neid und Egoismus zu einem großen Fest, zu dem Gott selbst einlädt.

Angesichts Gottes, des Schöpfers und Erlösers ist es erst einmal Zeit zu feiern und seine guten Gaben zu genießen. Mit dem Fest im Blut und im Herzen ist es gut, sich den Aufgaben und Herausforderungen seines Lebens befreit zu stellen, den Traurigkeiten und den festlosen Zeiten. Der Gastgeber ist auch der Begleiter unseres Lebens am Rand und in der Mitte.
Denn Du, Gott, bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

Dirk Dempewolf, Pfarrer